|
Das war`s dann wohl
Nach 97 internationalen
Rennveranstaltungen wird in Trossingen definitiv kein
Auto-Cross-Rennen mehr ausgetragen und während man im
Gemeinderat wohl bald über Pläne zur Re-Kultivierung und
Aufforstung des brachliegenden Industriegebiets "Auf Neuen" bei
Schura diskutiert, wird der Stock-Car-Club Trossingen in den
kommenden Wochen mit dem Rückbau der "Teufelsgurgel" beschäftigt
sein.
So geriet die 97. und letzte
Auflage des Rennens mit Wertungslauf zum "3- Nationen-Cup" zu
einer emotional aufwühlenden Veranstaltung" Was mag wohl im Kopf
eines Rennleiters vorgehen, wenn er erstmalig seinem Sohn auf
dem Siegerpodest einen Pokal überreichen kann – und gleichzeitig
ihm mitteilen muss, dass dies wohl die letzte Veranstaltung war?
So geschehen bei Markus Hilpert, der in der Klasse der kleinen
zweiradgetriebenen Eigenbauten einen hervorragenden vierten Rang
belegte. Die ausgesprochen gut besuchte Rennveranstaltung war
auch von Fahrerseite wieder bestens besetzt.
Sogar Europameisterschafts-Fahrer
und DM-Teilnehmer machten erneut Station in Trossingen!
Selbst Ex-Tourenwagen-Pilot Felix
Wedam ging mit einem Auto-Cross-Fahrzeug der Auto-Cross-Kollegen
aus Neufra an den Start und sorgte für einiges Aufsehen in der
Klasse Drei, die mit einer Schweigeminute unter den Klängen von
"Time To Say Goodby" die Auto-Cross-Rennstrecke zu Grabe
getragen haben.
Mit annähernd 180 Teilnehmern aus
vier Nationen waren die Startfelder selbstverständlich wieder
mehr als gut gefüllt – und die Vorläufe ließen keinen Zweifel
daran, dass keiner irgendwelche Punkte verschenken wollte.
Allen voran wollten es natürlich
die Lokalmatadoren noch einmal so richtig krachen lassen beim
Kräftemessen mit der teilweise hochrangigen Konkurrenz.
Bernhard "Paule" Gehl, vor über
drei Jahrzehnten erstmals in Trossingen gestartet, ließ es so
richtig krachen und meldete sich in zwei Klassen zum Start. In
der Käfer-Klasse fuhr "Paule" ein beinhartes Rennen buchstäblich
auf der letzten Rille und wurde permanent attackiert vom nicht
minder langsamen Bernd Lämmerhirt aus Dauchingen. Ein toller
Zweikampf – da blieb dem "Paule" kaum Zeit zum Winken. Mit einer
halben "Kofferraumlänge" siegte Gehl schließlich vor Lämmerhirt.
Wesentlich schneller ging es natürlich mit Gehl`s
Spitznagel-Eigenbau zur Sache, doch leider spielte hier die
Technik nicht so ganz mit nach dem erfolgreichen Vorlauf.
Ebenfalls auf einem Eigenbau
unterwegs ist der Deisslinger Karl-Heinz Schumpp
In der "Königsklasse" gestartet,
traf er auf den europaweit bekannten Spitzenfahrer Michael
Straub, der eine dominante Vorstellung abgegeben hatte. Es hatte
den Anschein, als hätte Schumpp eine Chance in der spitzen "Denkinger
Kurve" gehabt – beide Fahrzeuge lagen nahezu gleichauf. Da trat
Straub in den letzten Runden vehement auf`s Gas und schoss
geradezu davon. Der rein optische Fahrzeug-Unterschied mag wohl
nur gering sein – doch die technische Überlegenheit von Straub`s
Eigenbau ist doch sehr beeindruckend. Bei den verbesserten
Serien-Tourenwagen der Klasse 6 waren bei der letzten
Rennveranstaltung ebenfalls wieder die "alten Kameraden" unter
sich. Rolf Haas traf wie schon im Sommerrennen auf Harald
Steinert – das immerwährende Spitzenduell wurde erst im letzten
Renndrittel entschieden, als Haas fast von der Strecke abkam und
Steinert erneut den Sieg nach Hause fuhr. Noch kein Glück mit
dem neuen Rennfahrzeug hatte Marlies Hotz, die mit technischem
Defekt ausschied. So wurde das Rennen der Renn-Legenden zu einer
deutsch-deutschen Begegnung.
Ungestümtheit zu vermelden gab es
in den Jugendklassen
Die Youngsters – allesamt maximal
sechzehn Jahre alt – zeigten in beiden Klassen ihren Übermut,
der schon am Samstag im Vorlauf mit einem spektakulären Unfall
endete. Die erste Rennerfahrung endete für einen Teilnehmer im
Graben, während man am Sonntag sogar einen Jugendlichen
vorsorglich nach Überschlag in das Krankenhaus nach Schwenningen
einliefern musste.
Nahezu unspektakulär ging in
diesem Jahr das Rennen in der Damenklasse vonstatten
Keine Rennunterbrechungen,
Fehlstarts, Überschläge! Die Ladies haben wohl erkannt, dass
Fairness Vorfahrt hat. Den Sieg konnte Simone Graf vom SCC
Albbruck einfahren – vor Madelene Zimber, die mit ihrem neuen
Seat Ibiza Cupra wohl eines der schönsten Serienfahrzeuge mit
nach Trossingen gebracht hatte und nur von Papas großem Daimler
Double Six übertroffen wurde. Keine Angst - dieses Luxusgefährt
ging natürlich nicht an den Start.
Emotionen kamen nochmals auf in
der Klasse 2
Bei den Serienfahrzeugen stand
erstmals Hans-Jörg Mauthe als Fünftplatzierter auf dem
Siegerpodest und hielt die Fahne für den Stock-Car-Club hoch.
Mauthe junior ist der Sohn vom verstorbenen Werkstattbesitzer
Werner Mauthe. Zu Glanzzeiten des Auto-Cross-Sports galt die
Werkstatt mitten in der Stadt als wahre Auto-Cross-Schmiede und
viele Stock-Car-Club-Mitglieder erinnern sich noch gut an die "durchschweißten"
Nächte in Trossingen!
Auf großes Unverständnis und auf
Empörung, warum man ausgerechnet in der Teufelsgurgel ein "neues
Loch" aufreißen muss, stieß die Verkündung, das Renngelände als
Industriegebiet zu nutzen. Und in Sachen "Umweltschutz" traf ein
Zuschauer mit seinem Satz "die Grünen sind halt auch nur so
lange grün, bis sie graue Haare haben" den Nagel – zumindest
seitens Gemeinderat – treffend auf den Kopf!
Die Verantwortlichen des
Stock-Car-Club Trossingen sind intensiv auf der Suche nach einem
Ersatz-Renngelände. Wir werden über die weitere Entwicklung
berichten.
Bilder der Veranstaltung sind online
Weitere Berichte
und Bilder zum Tod der "Teufelsgurgel" und "3- Nationen Cup":
ZURÜCK
|