Stock-Car-Club Trossingen e. V.


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Rennstrecke wird für Industriegelände geopfert!

Stadt bringt Stock-Car-Club zu Fall

Von Armin Kapp

 

Trossingen - Es war ein übles Spiel, was da mit der Vorstandschaft des Stock-Car-Club Trossingen gespielt wurde!

Der Pachtvertrag für das kommende Jahr wurde nicht verlängert – und noch viel mehr: Bevor überhaupt der Verein hätte reagieren können, wurde einem Investor das Gelände ohne Skrupel angeboten – und offenbar auch verkauft.

Der Verein, der zweifelsohne aus dem einstigen „Dreckloch“ ein geradezu erhaltenswerten Naturpark geschaffen hatte, wurde noch nicht einmal darüber in Kenntnis gesetzt. Ebenso wurde noch nicht einmal ein Kaufangebot unterbreitet, obwohl, wie sich jetzt herausgestellt hat, Sponsoren vorhanden gewesen wären.

Wer die jahrzehntelangen Gespräche mitverfolgt hatte, die seitens Verein mit den Stadtoberen geführt werden mussten, um maximal drei Rennveranstaltungen im Jahr durchzuführen, wird sich angesichts der neuen Nutzung als Industriegebiet verwundert fragen:

Und was ist mit dem Umwelt- und Naturschutz?

Dort, wo eigentlich das ganze Jahr über sich im wahrsten Sinne „Fuchs und Hase gute Nacht“ sagen, entsteht ein Industriegebiet. Als gäbe es in Trossingen nicht genügend andere, darüber hinaus bereits besser erschlossene und logistisch betrachtet geeignetere Gelände. Nein, die Stadt Trossingen geht einem alteingesessenen Verein im wahrsten Sinne des Wortes an die Gurgel.

Sie hat es ja auch bitter nötig: Nachdem jetzt die Reste des einst stolzen Efka-Geländes in völlig verrottetem Zustand von der Firma Kraft Druck aufgegeben werden und die entsprechenden Arbeitsplätze unwiederbringlich aus Trossingen abgezogen werden, braucht man ein Erfolgserlebnis.

Da spielen Umweltschutz, protestierende Jagdpächter und allerlei Vorbehalte plötzlich keine Rolle mehr: Die Teufelsgurgel muss dran glauben!

Anstatt dieses geradezu prädestinierte Gelände für Veranstaltungen aller Art zu nutzen – es war einmal die Rede von einem Jugendfreizeitpark oder einem Naherholungsgebiet – wird hier bald Maschinenbau betrieben. Der jahrzehntelange Pächter wird eiskalt abgespeist und soll nach Möglichkeit durch die Hintertür den Sitzungssaal verlassen, während die Lokalpresse vor vollendete Tatsachen gestellt wird.

Allein: Warum wird eigentlich nicht dem Verein ein Vorkaufsrecht eingeräumt?

Warum unterbreitet man seitens der Stadt nicht den Verantwortlichen des SCCT ein Angebot? Stattdessen wird das Gelände geradezu zum Gegenwert von noch nicht einmal drei Eigenbau-Rennfahrzeugen!!! verhökert.

Der Ehrenvorsitzende Gerd Lehmann, der über ein Vierteljahrhundert den Verein geleitet und aufgebaut hatte, ist zu Recht verwundert:

Pläne für alternative Nutzungen des Geländes lagen ungenutzt in der Schublade und es war immer ein Tauziehen, um Genehmigungen seitens der Stadt zu erhalten!

Von rund 40 neuen Arbeitsplätzen ist da die Rede

Man kann davon ausgehen, dass auch hier der Stock-Car-Club hätte mithalten können: Ausflugs-Cafe, Campingplatz, Jugendfreizeit-Einrichtungen, Jugendherberge, Kart-Bahn, Outdoor-Skating-Anlage, Verkehrsübungsplatz.......Das und viele andere Ideen wurden teilweise schon im Keim erstickt. Die nicht gerade unvermögenden Vereinsmitglieder hätten gerne investiert, zumal man ja beste Bedingungen auf dem Gelände vorfindet, angefangen von elektrischen Leitungen bis hin zu sanitären Einrichtungen.

Ein Freizeitpark auf dem Renngelände – und somit eine ganzjährliche Nutzung

Das hätte in der Teufelsgurgel bestimmt mehr Anklang gefunden und besser in die Musikstadt gepasst. Andere, musikalisch unbedeutende Umlandgemeinden machen vor, wie so etwas geht:

Calw rockt, Winterlingen Open Air, Ratshausen Open Air, Honberg-Sommer, Rottweiler Ferienzauber.....nur in Trossingen, der angeblich weltbekannten Musikstadt, bekommt man so etwas nicht hin und es entsteht der Verdacht, als hätte eine Lobby das Sagen.

Mit viel Fingerspitzen-Gefühl ist man derzeit am verhandeln, um mit dem neuen Eigentümer, der Firma Haas, einen Kompromiss für die zukünftigen Rennveranstaltungen zu finden. Und es ist davon auszugehen, dass man sicherlich eine Einigung finden wird. Die Firma Haas hat jedenfalls seitens der Geschäftsleitung verlauten lassen, dass man nach Beendigung des ersten Bauabschnitts durchaus noch Rennen genehmigen könnte, worüber man seitens des Stock-Car-Club Trossingen sehr dankbar ist. Man kann sich seitens Vereins schon jetzt revanchieren mit Fahrzeugwerbung, Bannern und ähnlichem – und würde der in Trossingen ansässigen Firma den Vorzug geben, zumal eine überregionale Brauerei ebenfalls Sponsoring-Interesse zeigt.

Vielleicht entdeckt ja auch der neue Eigentümer des Geländes ein gewisses Werbepotential, was in dem über die Region hinaus bekannten Verein steckt!

Die Fernsehsender haben jedenfalls schon jetzt wieder ihr Interesse bekundet, über den 3-Nationen-Cup im Auto-Cross zu berichten. Ob gewollt oder nicht: Der Geländeeigentümer wird im Bild sein und angesichts des boomenden Kultur- und Sportsponsoring kann man sich Negativwerbung in der heutigen Zeit nicht erlauben.

Insofern wird sicherlich die Firma Haas die Zeichen der Zeit erkennen –

vielleicht sogar seinen Kunden und auch seinen Mitarbeitern die Gelegenheit bieten, sich selbst einmal hinter das Steuer eines Rennwagens zu setzen? Der Stock-Car-Club Trossingen würde entsprechende Fahrzeuge sicherlich zur Verfügung stellen.

Mit einer gehörigen Portion Negativwerbung hat die Stadt Trossingen zu kämpfen!

Es ist ein Armutszeugnis, wie man hier mit Vereinen, die sich intensiv um Jugendarbeit und Kinderbetreuung kümmern, umgeht. Schon jetzt haben die internationalen Fahrer und Teilnehmer Protestveranstaltungen angekündigt und auch hier in der Region brodelt die Szene.

Am 25. und 26. Juni jedenfalls wird sich sicherlich der neue Hausherr ein Bild machen vom fast 40-jährigen Stock-Car-Club Trossingen und seinen internationalen Mitgliedern, die den Namen Trossingen auch auf internationaler Ebene bekannt gemacht haben und wer weiß:

Vielleicht wird ja auch der Bekanntheitsgrad der Firma Haas durch den Motorsport noch mehr gesteigert?

Die entsprechenden Medien warten jedenfalls schon.

 

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